Die Anderen machen nicht mit – Inspireren statt Missionieren

Minimalismus, Zero-Waste, Veganismus: Wenn wir uns für etwas richtig begeistern können, neigen wir dazu, sämtliche Informationen an unser Umfeld weiterzugeben. Das ist auch erst mal nicht schlimm. Allerdings kann ein gut gemeinter Ratschlag für das Gegenüber schnell missionierend wirken. Doch was kann man tun, um eine Person ebenfalls für unser Anliegen zu begeistern?

Ein Gespräch auf Augenhöhe

„Du weißt aber schon, dass für Fleisch jedes Jahr x Tiere qualvoll sterben, oder?“ und „Also die Plastikpackung hättest du dir ja echt mal sparen können!“ sind Sätze, die bei den meisten Menschen dazu führen werden sich vor einer Thematik komplett zu verschließen. Die Sätze greifen das Gegenüber direkt an und die Person wird sich reflexartig verteidigen wollen. An ihrem Verhalten etwas ändern wird sie dadurch nicht.
Wenn wir mit unserem Umfeld über sensible Themen sprechen wollen, müssen wir selbst sensibel sein. Keiner von uns ist vollkommen perfekt und wir alle haben irgendwann mal klein angefangen. Und das ist auch gut so. Wir sollten diese Art der Gespräche immer auf Augenhöhe führen und schon dankbar dafür sein, wenn sich unser Gegenüber überhaupt Gedanken um eine der oben genannten Thematiken macht. Denn allein damit ist die Person schon weiter, als ein Großteil der Menschen auf diesem Planeten.

Überlege, an welchem Punkt sich die Person befindet

Ich habe beschlossen, dass unser heutiges Beispiel ein überzeugter Grillmeister sein soll.
Wenn wir den Grillmeister gleich mit sämtlichen Informationen zum Veganismus belagern, wird dieser blockieren. Wenn er bis zum heutigen Tag überzeugter Grillmeister war, wird er höchstwahrscheinlich nicht über Nacht zum Veganer. Allerdings könnte er zum Beispiel seinen Fleischkonsum reduzieren. Natürlich wäre es nachhaltiger, wenn er gar kein Fleisch mehr essen würde, doch bei der Nachhaltigkeit ist es immer ein Abwägen. Wenn ich möchte, dass der Grillmeister gar kein Fleisch mehr isst und ihm diese Meinung zwanghaft aufdrücke, wird er vermutlich einfach weiter Fleisch konsumieren, wie bisher. Wenn ich ihn allerdings sachlich überzeugen kann, den Fleischverzehr zu reduzieren und er das dann auch tatsächlich tut, ist der Umwelt mehr geholfen.

Wir sollten daher überlegen, an welchem Punkt sich unser Gegenüber befindet. Hat die Person sich wenigstens schon mal Gedanken über ihr Handeln gemacht? Wenn ja, dann ist das super! Das sollten wir der Person auch mitteilen. Wenn der Grillmeister sich wenigstens darüber bewusst ist, dass der Konsum von Fleisch nicht sonderlich klimafreundlich ist (mal abgesehen von der moralischen Frage), haben wir einen Ansatzpunkt. Häufig fangen Menschen an dieser Stelle auch schon an sich zu rechtfertigen. So kann es z.B. sein, dass unser Grillmeister beteuern wird, dass er auch immer nur das gute Fleisch vom Metzger kauft. Man könnte jetzt in einen Argumentationssturm verfallen, warum das ebenfalls nicht gut ist. Oder aber man überlegt kurz, wie man selbst angefangen hat. Denn eine Sache, die häufig vergessen wird ist, dass das Interessieren für ein Thema schon der Beginn in einem Prozess ist. In diesem Prozess fangen wir an uns immer mehr zu informieren, Fakten für uns abzuwägen und mit unserem Weltbild abzugleichen. Mit unserer neuen Überzeugung aber zu einem anderen Menschen zu gehen und ihm die Zeit für diesen Prozess nicht zu geben und zu erwarten, dass er seine Meinung sofort ändert, wäre nur unfair und arrogant.

Inspirieren statt Missionieren

Eine Methode, die sich meiner Erfahrung nach bewährt hat, ist das Vorleben. Wenn man mit Freunden in einer Bar sitzt und ein Getränk ohne Strohhalm bestellt, weil man einen eigenen dabei hat, wird unser Umfeld eventuell interessiert nachfragen, was es damit auf sich hat. Wenn man aber den Freunden einfach gesagt hätte, wie schädlich es für die Umwelt ist, dass sie Plastik-Strohhalme verwenden, werden diese höchstwahrscheinlich genervt sein. Der Mensch mag es nicht, von Anderen auf seine vermeintlichen Fehler hingewiesen zu werden. Deswegen sollte man sich angewöhnen, Dinge einfach vorzuleben. Häufig weiß die andere Person im Prinzip auch schon, an welcher Stelle sie eventuell noch etwas nachhaltiger sein könnte. Manchmal passt aber eine Umstellung in einem gewissen Bereich gerade noch nicht in das Leben des Gegenübers. Das sollte man respektieren.

Minimalismus ist keine moralische Frage

In den vorherigen Abschnitten habe ich viel über Personen geredet, die nachhaltiger sein könnten. Hier ist unser Gegenüber zusätzlich einem gewissen moralischen Druck unterlegen. Nachhaltigkeit geht uns nämlich alle etwas an. Man kann also tatsächlich davon sprechen, dass eine Person etwas „falsch“ macht, wenn sie z.B. Unmengen an Plastikmüll produziert.

Beim Minimalismus ist das nochmal etwas Anderes. Denn minimalistisch zu leben kann nachhaltig sein, muss es aber nicht. Das heißt der Beweggrund ist hier im Zweifel ein anderer. Meistens geht es beim Minimalismus nämlich vor allem darum, sich selbst etwas Gutes zu tun. Und allen Menschen auf dieser Welt kann es egal sein, wie eine bestimmte Person lebt. Wenn ein Mensch sein ganzes Haus mit Dingen voll räumt, ist das für einen Herzblut-Minimalisten vielleicht schwer zu sehen, doch es gilt, die Entscheidung der dort lebenden Person zu akzeptieren.
Kann man also das eigene Minimalismus-Glück nicht in die Welt hinaustragen? Doch! Wer sich einmal die Arbeit gemacht und den gesamten Besitz kritisch hinterfragt hat, kennt das befreiende Gefühl, das sich danach einstellt. Nicht verwunderlich also, dass der Minimalist dieses Glücksgefühl weitergeben möchte.
Auch hier ist wieder vorleben angesagt. Dabei kommt es natürlich darauf an, wie viel man mit der Person zu tun hat. Kommt die Person häufig zu Besuch? Dann wird sie eventuell durch die minimalisierte Wohnung inspiriert. Dann kann es auch sein, dass ganz automatisch ein Gespräch zu diesem Thema entsteht. Wenn die Person allerdings glücklich mit ihrem üppigen Hab und Gut ist, dann ist es nicht unsere Aufgabe, diese Person von etwas anderem zu überzeugen.

Ich wohne zusammen mit…

Schon schwieriger kann es werden, wenn die Person, mit der man zusammenlebt, so gar nicht in die gleiche Richtung unterwegs ist wie man selbst. Vor allem in Sachen Minimalismus kann das interessant werden. Doch auch hier ist die oberste Regel: Nur weil die Person mit uns zusammen wohnt, hat sie immer noch ihren eigenen Besitz und ist in der Lage selbst über diesen zu entscheiden. Es ist also ein No-Go, der Person irgendwelche Dinge auszumisten, nur weil man sie für überflüssig hält. Denn man weiß nie, welchen Wert der Mensch bestimmten Dingen zuschreibt. Und der Harmonie innerhalb des Hauses ist so ein Verhalten mit Sicherheit nicht zuträglich. Also bleibt uns in diesem Fall auch nur das Vorleben. Das kann durchaus eine Weile dauern, jedoch geht es mit der Inspiration manchmal schneller, als man denkt.
Die allermeisten Personen können wahrnehmen, welche Ruhe von einem aufgeräumten Ort ausgeht. Und auch in Sachen Nachhaltigkeit tut sich gerade allgemein schon einiges. Es ist also oft nur eine Frage der Zeit, bis „die Anderen“ mitmachen. Das wichtigste ist, dass man niemals verurteilend ist. Man sollte immer überlegen, wie man selbst angefangen hat. Zu begreifen, dass zu einer Umstellung auch immer ein (teilweise stiller) Prozess gehört ist dafür die Grundlage.
Ich kann es nur immer wiederholen: Jeder sollte tun, was er kann, dann ist der Welt schon viel geholfen!

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x Jasmin

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