Greenwashing – Wie funktioniert die grüne Lüge?

Vor allem in den sozialen Medien wurde in den letzten Wochen viel über Greenwashing geredet. Doch was ist das eigentlich? Und wie erkennt man Greenwashing überhaupt?

Was ist Greenwashing?

Greenwashing beschreibt ganz allgemein erst einmal das „Grünwaschen“ von Produkten, Dienstleistungen oder dem Image von Unternehmen. Was damit gemeint ist? Unternehmen stellen sich und/oder ihre Produkte nachhaltiger dar, als sie es eigentlich sind. Greenwashing wird gerade in der heutigen Zeit immer häufiger eingesetzt. Das hat vor allem mit einem „grünen Trend“ zu tun, der aktuell immer stärker wird. Unternehmen möchten möglichst viel Profit aus diesem Trend rausholen und bemühen sich daher um vermeintlich grüne Kampagnen und Produkte.

Das Problem bei Greenwashing ist, dass Kunden denken, sie würden mit dem Kauf eines Produkts etwas Gutes für die Umwelt tun, ein nachhaltiges Unternehmen unterstützen oder aber etwas qualitativ hochwertiges kaufen. Allerdings handelt es sich oft um das genaue Gegenteil.
Für die Unternehmen selbst ist es dabei einfacher und leider meist auch wirtschaftlicher, Geld in eine „grüne“ Kampagne zu stecken, als sich tatsächlich Gedanken um nachhaltigere Produkte zu machen oder diese sogar zu produzieren. Doch gerade wenn es nicht nur um einzelne Produkte, sondern um groß angelegte Kampagnen geht, kann es für den Konsumenten schwer sein, Greenwashing zu erkennen. An dieser Stelle möchte ich euch auch den Film “The green Lie” von Werner Boote empfehlen. Hier werden die verschiedensten Auswirkungen von Greenwashing sehr deutlich.

Beispiele für Greenwashing

Kosmetik, E-Autos, Kleidung: Fast überall treffen wir beim Einkaufen auf Greenwashing. Über die Jahre haben sich diverse Methoden etabliert, um dem Kunden ein grünes, natürliches Image zu verkaufen. Dabei werden schlechte Arbeitsbedingungen, Ressourcenverbrauch und eine schlechte Qualität verdeckt. Doch wie genau wird der potenzielle Kunde in die grüne Falle gelockt? Hier einige Beispiele:

Kosmetik

Bei Kosmetika gibt es inzwischen diverse Methoden, um dem Kunden das Gefühl zu geben, ein nachhaltiges, natürliches Produkt zu kaufen. Mit Schlagwörtern wie „Bio“, „Öko(logisch)“, „natürlich“ oder „rein“ wird vermehrt gearbeitet. Diese Schlagwörter rufen beim potenziellen Kunden unmittelbar positive Assoziationen hervor. Eine weitere Methode, um den Kunden von der Natürlichkeit eines Kosmetikprodukts zu überzeugen ist es, diese in braune Gefäße zu füllen oder grüne Etiketten zu verwenden. Die braunen Gefäße (im besten Fall noch Glas, oft aber auch einfach Plastikflaschen) sollen dem Kunden suggerieren, dass der Inhalt besonders vor Licht geschützt werden muss. Und tatsächlich wird Braunglas oft bei echter Naturkosmetik verwendet, die wenige bis keine Konservierungsstoffe beinhaltet, um sie länger haltbar zu machen. Dass Produkte, die hingegen diverse Konservierungsstoffe enthalten, solche Behältnisse eigentlich nicht benötigen, dürfte nun jedem klar sein.

Ähnlich ist es auch bei den grünen Etiketten. Das Duschgel etc. kann noch so wenige natürliche Inhaltsstoffe enthalten – sobald sich ein grünes Etikett darauf befindet, wird das Produkt unterbewusst automatisch als grüner, nachhaltiger oder natürlicher wahrgenommen.

Kleidung – Bedingungen

Kleidung ist ein besonders heikles Thema, wenn es um Greenwashing geht. Bei Kosmetika müssen meist „nur“ weniger gute bis schlechte Inhaltsstoffe, Plastikverpackungen oder im schlimmsten Fall Tierversuche „gewaschen“ werden. Bei Kleidung hingegen muss ein ganzer Komplex an negativen Auswirkungen „bereinigt“ werden. Da wären zum einen die Rohstoffe, aus denen die Kleidung hergestellt ist. Plastikfasern auf Erdölbasis oder pestizidbelastete Baumwolle: Es ist schon erstaunlich, was man alles völlig unbedarft direkt auf der Haut trägt. Um die Rohstoffe für Kleidung zu gewinnen, braucht es Unmengen an Ressourcen. Und auch sonst steht die „Fast Fashion“ in Sachen Klimabilanz nicht wirklich gut da. Etwa 8000 Liter Wasser verbraucht die Herstellung einer einzigen Jeans.

Ein anderer Aspekt sind die weiten Transportwege in der Herstellung der Kleidung. Diese wird meistens in asiatischen Schwellenländern genäht. Für die Unternehmen ist es günstiger, die Produktion ins Ausland zu verlagern, als die Kleidung vor Ort herstellen zu lassen.
Und das ist auch schon das nächste Problem, dass es „auszuwaschen“ gilt. Damit die Produktionskosten so gering sein können, müssen Menschen unter extrem schlechten Bedingungen und für einen Hungerlohn Kleidung in Massen anfertigen. Diese Hungerlöhne existieren z.B. auch auf Baumwollplantagen, auf denen Erntehelfer*innen die Baumwolle pflücken müssen.

Kleidung – Strategien

Und doch schaffen es die Unternehmen hierzulande, Kleidung nachhaltig, ökologisch und fair wirken zu lassen. Eine große Rolle bei dieser Form des Greenwashings spielen vor allem diverse Siegel. Ständig kommen neue Siegel dazu. Diese stammen dann meistens von den Unternehmen selbst und unterliegen somit keiner Kontrolle durch eine unabhängige Prüfung. Und doch wirken diese Siegel. Denn potenziellen Kunden wird mit diesen Siegeln suggeriert, dass in irgendeiner Form die Herstellung, die Rohstoffgewinnung o.ä. überwacht wurden und man das Kleidungsstück somit bedenkenlos kaufen kann.

Um sich explizit von der verpönten „Fast Fashion“ abzuheben, bringen viele Modeketten gerade gesonderte Kollektionen raus, die nachhaltiger sein sollen. Hier kommen dann z.B. nicht einfach Plastikfasern zum Einsatz, sondern recyceltes Plastik oder recycelte Kleidung. Allerdings ist hier anzumerken, dass Recycling meistens noch mehr Energie in Anspruch nimmt, als das Herstellen von neuer Kleidung.

Greenwashing-Kampagnen

Nicht nur bei Konsumgütern kommt Greenwashing zum Einsatz. Diverse Unternehmen haben sich in den letzten Jahren „grün gewaschen“. Eine der Wohl größten Kampagnen kam vom Unternehmen BP (British Patroleum). Der Mineralölkonzern war der Betreiber der Bohrplattform Deepwater Horizon, die im Jahr 2010 durch ein Leck eine der größten Umweltkatastrophen dieser Zeit ausgelöst hat. Auch, da BP einen Großteil des Öls noch nicht aus dem Meer geholt hat, sind die Konsequenzen des Bohrunglücks bis heute zu spüren.
Inzwischen versucht das Unternehmen mit verschiedenen Kampagnen die Buchstaben BP mit Begriffen wie „better people“ (bessere Menschen), „better products“ (bessere Produkte) oder „beyond patroleum“ (abseits von Erdöl) neu zu besetzen.

Jeder Schritt ist wichtig?

Ein anderes Beispiel sind Fastfoodketten, die plötzlich den Plastikmüll reduzieren wollen. Und hier wird es knifflig. Denn diese Fastfoodketten sparen auf den ersten Blick tatsächlich Plastikmüll ein. Statt Plastikbesteck gibt es Holzbesteck, das Essen ist nur noch in Papier oder Pappe verpackt und auch die Strohhalme sind plötzlich aus Papier. Trotz allem darf nicht vergessen werden, wofür Fastfood-Restaurants stehen. Hier spielt nämlich vor allem Tierleid eine große Rolle. Damit Fastfood so günstig angeboten werden kann, müssen Tiere in Massen gehalten und geschlachtet werden. Der gesundheitliche Aspekt für den Konsumenten selbst ist hierbei mal noch außen vor gelassen.

Aber umso besser ist es doch, dass das Unternehmen einen Schritt in die richtige Richtung geht und wenigstens den Plastikmüll reduziert, oder? Nicht wirklich. Denn so gerne ich auch immer betone, dass jeder Schritt wichtig ist, trifft es in diesem Fall einfach nicht zu. Wiegt man die Ersparnis des Plastikmülls gegen die Folgen für die Umwelt durch Massentierhaltung auf, merkt man recht schnell, dass hier kein Verhältnis gegeben ist. Bedenkt man jetzt noch, welches Leid bei Tier und Mensch durch solche Unternehmen verursacht wird, merkt man recht schnell, dass es sich auch hierbei um Greenwashing handelt. Diese Unternehmen setzen bewusst auf einen Aspekt, der verhältnismäßig leicht umzusetzen ist, um die restlichen Auswirkungen zu verschleiern.

Greenwashing ist also bei weitem nicht nur ein grünes Etikett oder eine kleine Manipulation einer Kaufentscheidung. Selbst weltweit agierende Unternehmen nutzen Greenwashing, um ihr Image aufzupolieren. Daher ist es umso wichtiger, Greenwashing zu erkennen und dementsprechend zu handeln.

Wie erkennt man Greenwashing?

Greenwashing zu erkennen ist nicht immer ganz einfach. Aber grundsätzlich gilt: Wirbt ein Unternehmen, das bisher nicht besonders durch nachhaltiges Handeln aufgefallen ist plötzlich mit einem grünen Image, grünen Produkten oder einer besonderen Nachhaltigkeit, kann man zumindest stutzig werden. Gerade beim Kauf von Kleidungsstücken lohnt es sich zweimal hinzusehen. Nicht alle Siegel gewährleisten eine gute Qualität. Siegel und ihre Kriterien lassen sich übrigens auf diversen Internetseiten finden. Auch bei Kosmetika sollte man aufpassen. Hier kann die App „Codecheck“ durch Scannen des Barcodes Aufschluss über die Inhaltsstoffe geben.

Bei Kampagnen kann man sich grundsätzlich überlegen, welches Ziel das Unternehmen damit verfolgt. Man sollte außerdem auch immer hinter die Kulissen blicken. Kann es stimmen, was mir die Kampagne suggerieren möchte? Welche ökologischen Aspekte werden beachtet, welche nicht? Stehen die Bemühungen des Unternehmens im Verhältnis zum restlichen Handeln? Jeder Einkaufszettel ist ein Stimmzettel. Sollten wir uns dann nicht gut überlegen, wen oder was wir wählen?

Ich hoffe ich konnte dir einen guten Einblick in die Greenwashing-Methoden geben. Wenn du andere Menschen ebenfalls über das Thema informieren willst, teile diesen Artikel doch gerne. Für weitere Inspirationen zu einem nachhaltigen Lebensstil folge mir doch gerne bei Instagram!

x Jasmin

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