Luxuslifestyle Zero-Waste?

Ein häufiges Argument gegen einen minimalistischen, nachhaltigen und insbesondere plastikfreien Lebensstil ist, dass sich dieser mit einem schmalen Geldbeutel nicht umsetzen ließe. Ich möchte heute verschiedene Bereiche des Lebens mit euch durchgehen und überprüfen, wie groß der Geldbeutel für ein möglichst nachhaltiges Leben denn wirklich sein muss.

Lebensmittel

Wir beginnen mit den Lebensmitteln. Wer gerade erst angefangen hat sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen, denkt hier wahrscheinlich an teure Bio-Produkte. Doch ich denke, dass für Zero-Waste noch weiter gedacht werden muss. Ein sehr großer Aspekt im nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln ist Foodsharing. Inzwischen gibt es in fast jeder Stadt die Möglichkeit, Lebensmittel, die nicht mehr benötigt werden zu verschenken. Teilweise gibt es Facebookgruppen oder öffentliche Kühlschränke. Ganz selten hat man sogar einen Supermarkt, der es erlaubt Lebensmittel mitzunehmen, die sonst weggeworfen werden würden. Wenn man also einen Teil seiner Lebensmittel über Foodsharing bekommt und dafür die restlichen Dinge, die man noch benötigt in Bio-Qualität/regional/unverpackt kauft, zahlt man ca. das Gleiche, wenn nicht sogar noch weniger.

Ich möchte in diesem Artikel die Nachhaltigkeit ganzheitlich betrachten. Wenn wir von einem möglichst nachhaltigen Leben ausgehen, müssten wir davon ausgehen, dass sich diese Person möglichst pflanzenbasiert und fleischarm ernährt. Auch das würde sich wiederum positiv auf den Geldbeutel auswirken.

Kosmetik

Wie in den meisten Bereichen ist es auch bei der Kosmetik nicht ganz einfach, sofort zu einem Ergebnis zu kommen. Hier kommt es vor allem darauf an, welche Produkte normalerweise gekauft werden. Wenn man von günstig bis teuer alles beachtet, liegt Naturkosmetik meist im unteren Mittelfeld. Für die meisten dürfte sie jedoch teurer sein, als die normalerweise gekaufte Kosmetik. Wenn die Verpackung jetzt noch plastikfrei sein soll, wird es oft noch etwas teurer.

Doch auch hier muss wieder etwas weiter gedacht werden. Viele Produkte lassen sich ohne viel Aufwand selbst herstellen. Die Zutaten für DIY-Kosmetik finden sich fast immer zu Hause oder sind für wenig Geld zu bekommen. Auch der Zeitaufwand hält sich in Grenzen. Wer einen Großteil seiner Kosmetik selbst herstellt, spart also definitiv.

Neben der dekorativen Kosmetik gibt es natürlich noch Dinge, wie Seifen, Shampoos und Deos. Für Letztere gilt ebenfalls, dass sich sowohl Sprühddeos, wie auch feste Deos sehr leicht und aus wenigen Zutaten selbst herstellen lassen. Vor allem in Unverpackt-Läden sind Seifen und feste Shampoos auf den ersten Blick teurer, als die handelsüblichen Produkte. Hier spielt aber vor allem die Ergiebigkeit eine wichtige Rolle. Gerade, wenn die Seife beim Duschen durch einen Schwamm oder ähnliches aufgeschäumt wird, hält sie (je nach Größe natürlich) ca. vier Mal länger, als die flüssige Version aus der Plastikflasche. Somit rechnet sich auch der zuerst teuer erscheinende Preis wieder.

Abgesehen davon, sollte beim Thema Kosmetik auch daran gedacht werden, mit welchen Inhaltsstoffen wir unseren Körper belasten wollen. Und allein dafür wäre es mir mein Geld schon wert.

Kleidung

Beim Thema Kleidung sollten wir uns zuerst überlegen, was denn am nachhaltigsten ist. Oft kommt hier den meisten Leuten sogenannte „Fair-Fashion“ in den Sinn. Doch es gibt vor dem Kauf von Fair-Fashion noch ein paar Dinge, die noch etwas nachhaltiger sind. Als allererstes wäre da das Reparieren von noch vorhandenen Dingen. In der heutigen „Wegwerfgesellschaft“ sind wir es nicht mehr gewohnt Löcher zu stopfen oder aus alten Kleidungsstücken etwas Neues zu machen. Hierfür braucht es selten übermäßiges handwerkliches Geschick. Meistens reichen schon ein paar Grundlagen aus.

Eine weitere, sehr nachhaltige Möglichkeit ist das Kaufen von Secondhand-Kleidung. Längst ist das Bild von dunklen, verstaubten Läden überholt. Inzwischen lassen sich richtige Schätze zu günstigen Preisen in Secondhandshops finden. Einzigartig, weil nicht von der Stange und teilweise noch „True Vintage“. Und für alle, die lieber im Pyjama vor dem Laptop shoppen, für die gibt es Plattformen, wie Kleiderkreisel und Co. Hier wird die Kleidung jedoch meistens verschickt. Dabei sollte man bedenken, dass sich der Transport negativ auf die Umwelt auswirkt, wenn auch wesentlich weniger, als die Herstellung eines komplett neuen Kleidungsstücks.

Bisher sind wir mit den beiden nachhaltigsten Methoden sehr kostengünstig unterwegs. Und erst jetzt sind wir bei der tatsächlich etwas teureren „Fair-Fashion“. Hier geht es vor allem um hochwertige Materialien, die unter fairen Bedingungen und im Idealfall noch regional produziert werden. Auch wird bei nachhaltiger Mode darauf geachtet, keine Kunstfasern mit zu verarbeiten, die als Mikroplastik durch die Waschmaschine in unser Abwasser kommen (Für Kleidung mit Kunstfaser-Anteil gibt es hier übrigens spezielle Wäschesäcke, die so fein gewebt sind, dass sie abgelöste Fasern auffangen). Doch sollte hierbei bedacht werden, dass auch ein faires und nachhaltiges Kleidungsstück neu produziert werden muss. Und auch dabei werden beispielsweise große Mengen an Wasser benötigt.

Für den Geldbeutel und die Umwelt ist es also am besten, wenn wir upcyceln oder seconhand kaufen.

Alltag

Ein Regal mit identischen Glasbehältern, zum Einkaufen das Sortiment an Edelstahldosen und eine schicke Glasflasche immer dabei: Das nachhaltige Leben kann so schön aussehen. Das besonders die Produkte aus Edelstahl meist aber ziemlich teuer sind, sagen die wenigsten dazu. Und tatsächlich könnte man hier sagen, dass das mit der Nachhaltigkeit teuer ist. Doch erneut möchte ich, dass über den Tellerrand hinaus geblickt wird.

Um etwas unverpackt zu kaufen, brauche ich keine extra gekauften Gläser und Dosen. Wenn man z.B. noch Marmeladengläser oder auch Pfandgläser vom letzten Joghurt hat, kann man diese wunderbar für den nächsten unverpackten Einkauf weiterverwenden. Auch selbstgenähte Stoffbeutel aus Stoffresten eignen sich hier wunderbar. Und statt einer Edelstahldose lässt sich auch die alte Plastikdose noch weiter verwenden, bis sie tatsächlich kaputt ist. Denn nur weil wir auf Plastik verzichten wollen, macht es keinen Sinn, alles aus Plastik zu entsorgen. Das wäre eher kontraproduktiv. An dieser Stelle noch ein kleiner Hinweis: Was tatsächlich in Plastikdosen keinen Platz finden sollte, sind sehr fettige Lebensmittel, da vermutet wird, dass BPA (Bisphenol-A) sich in Verbindung mit Fett aus dem Material löst und in den Inhalt übergeht.

Auch für die schicke Glas- oder Edelstahlflasche gibt es eine günstige Alternative: Die schon gekaufte Glasflasche eines beliebigen Getränks. Wenn ihr allerdings ähnlich tollpatschig wie ich seid, solltet ihr vielleicht dann doch lieber in eine Edelstahlflasche investieren, das gibt eindeutig weniger Scherben beim Fallen! Produkte aus Edelstahl sind, wie oben schon erwähnt relativ teuer, aber halten dafür auch ein Leben lang.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass man nicht von Anfang an seinen kompletten Haushalt auf nachhaltige Gegenstände umstellen muss, wenn es alte Dinge auch noch tun. Lediglich bei ein paar Dingen, wie z.B. einer wiederverwendbaren Flasche oder Strohhalmen würde ich ein wenig Geld investieren. Somit ergibt sich zu Beginn des Zero-Waste-Lebens tatsächlich ein etwas höherer Kostenfaktor, der sich jedoch nach einige Zeit schon wieder rechnet.

Fazit

Wenn man ein nachhaltiges Leben führt, zu dem für mich auch der Minimalismus dazugehört, gibt man an manchen Stellen für eine gewisse Qualität auf jeden Fall mehr aus. Jedoch kann man an anderer Stelle wiederum sparen. Der Zero-Waste-Lifestyle ist somit nicht teurer. Ich möchte hier noch einmal darauf hinweisen, dass ich von einem möglichst nachhaltigen Leben ausgehe. Das bedeutet, dass man in allen Bereichen nachhaltig denkt und sich somit teurere und günstigere Bereiche ausgleichen. Wenn man beispielsweise mehr Geld für Kosmetik und Bio-Lebensmittel ausgibt, spart man an anderer Stelle durch Foodsharing und Secondhand-Kleidung. Sobald man sich nur einseitig mit der Nachhaltigkeit beschäftigt und nichts ändert, außer die teureren Bio-Produkte zu kaufen, geht die Rechnung natürlich nicht auf.

Das war ein kleiner Überblick über Ausgaben in einem nachhaltigen Leben. Ich hoffe, dass ich euch ein bisschen damit weiter bringen konnte. Wenn ihr denkt, dass dieser Artikel auch einer anderen Person weiter helfen könnte, könnt ihr ihn  gerne teilen. Für weitere Tipps rund um Zero-Waste, Minimalismus und ein achtsames Leben könnt ihr mir gerne bei Instagram folgen.

x Jasmin

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