Unverpackte Lebensmittel – Ist das nicht unhygienisch?

Nicht nur in Zeiten von Corona kommen bei manchen Leuten Zweifel auf, ob man bedenkenlos unverpackt einkaufen kann. Schließlich sind die Lebensmittel lose und somit auch nicht vor Viren und Co geschützt, oder?

Grundsätzliche Hygiene in Unverpackt-Läden

Natürlich gibt es immer die Ausnahme von der Regel, allerdings sind in den meisten Unverpackt-Läden die Hygiene-Standards von Grund auf schon ziemlich hoch. Von den Großgebinden im Lager bis zum Kundengefäß wird dafür gesorgt, dass die Lebensmittel mit Zangen, Schaufeln oder Handschuhen umgefüllt werden. Gefäße werden spätestens mit dem Einfüllen einer neuen Charge gereinigt. Außerdem lässt sich dadurch, dass Unverpackt-Läden meistens eine recht überschaubare Größe haben, das Geschehen im Laden gut überblicken. Fällt also z.B. auf, dass eine Person offensichtlich erkrankt ist, lassen sich die entsprechenden Bestecke schnell austauschen. Doch auch sonst werden Zangen und Co regelmäßig ausgetauscht. Durch die eben genannte Überschaubarkeit ist es auch wesentlich einfacher Kunden auf „Fehlverhalten“ hinzuweisen.

Verschärfte Maßnahmen in Corona-Zeiten

Auch die Unverpackt-Läden mussten durch Corona noch einige ihrer Hygiene-Maßnahmen verschärfen. In dem Unverpackt-Laden, in dem ich arbeite, müssen beispielsweise sämtliche Zangen und Schaufeln nach einmaligem Verwenden gespült werden. Zudem gilt natürlich auch bei uns im Laden aktuell die Maskenpflicht und es dürfen nur eine bestimmte Anzahl an Kunden gleichzeitig in den Laden. Auch hier fällt es wieder leichter, Kunden auf Unachtsamkeiten hinzuweisen. Trichter dienen beim Einkaufen als Barriere zwischen den Kundengefäßen und unseren Behältern. Auch haben wir einen Desinfektionsplan. In regelmäßigen Abständen müssen alle Behälter, Waagen,Türgriffe und allgemein viel verwendete Flächen desinfiziert werden. Unser Unverpackt-Laden ist in Hessen. Die Bestimmungen für die Unverpackt-Läden sind in jedem Bundesland unterschiedlich. Doch bisher habe ich den Eindruck, dass sich die allermeisten Unverpackt-Läden große Mühe geben, das Infektions-Risiko so gut wie möglich zu senken.

Bleiben Krankheitserreger an den Lebensmitteln hängen?

Auch abseits der aktuellen Situation entsteht bei manchen Menschen immer wieder die Angst, dass sich die Krankheitserreger über die Lebensmittel verbreiten. Doch auch hier gibt es Entwarnung! Zum einen muss gesagt werden, dass der Mensch permanent von diversen Bakterien umgeben ist. Hier sind auch viele nützliche Bakterien dabei. Doch auch Krankheitserreger sind Teil dieser Umgebung. Allerdings wird ein Mensch mit einem intakten Immunsystem auch nicht durch einige wenige Erreger krank. Es braucht immer eine größere Anzahl an schädlichen Bakterien oder Viren, um im Endeffekt auch eine Krankheit im Körper auszulösen. Zu der Frage, ob man sich über Lebensmittel oder Gegenstände mit Coronaviren anstecken kann, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am 27.05.2020:

„Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Auch für eine Übertragung des Virus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen, wodurch nachfolgend Infektionen beim Menschen aufgetreten wären, gibt es derzeit keine belastbaren Belege. Allerdings sind Übertragungen durch Schmierinfektionen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, theoretisch denkbar und können nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich. […]Die Stabilität von Coronaviren in der Umwelt hängt von vielen Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beschaffenheit der Oberfläche sowie vom speziellen Virusstamm und der Virusmenge ab. Im Allgemeinen sind humane Coronaviren nicht besonders stabil auf trockenen Oberflächen. In der Regel erfolgt die Inaktivierung in getrocknetem Zustand innerhalb von Stunden bis einigen Tagen. Für das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 zeigen erste Laboruntersuchungen einer amerikanischen Arbeitsgruppe, dass es nach starker Kontamination bis zu 3 Stunden als Aerosol, bis zu 4 Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu 2-3 Tagen auf Edelstahl und Plastik infektiös bleiben kann. Damit ist diese im Labor ermittelte Stabilität des Coronavirus SARS-CoV-2 deutlich geringer als diejenige von vielen anderen Krankheitserregern, z.B. verschiedenen unbehüllten Viren oder Bakteriensporen. Die in der Studie genannte Stabilität wurde im Labor unter optimalen Bedingungen und mit hohen Viruskonzentrationen ermittelt. In der Praxis ist zu erwarten, dass die Stabilität wegen zusätzlicher Faktoren, wie z. B. Tageslicht, schwankender Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie geringeren Kontaminationslevels, geringer ist als in der Laborstudie ermittelt.”

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Thema.

Fazit:

Auch in der aktuellen Situation kann weiter bedenkenlos in Unverpackt-Läden eingekauft werden. Die sowieso schon recht hohen Hygiene-Standards wurden durch das Coronavirus noch einmal deutlich erhöht. Durch die meist etwas geringere Ladengröße haben die Mitarbeiter einen guten Überblick und können bei Unachtsamkeiten schnell reagieren. Die Beschränkung der Kundenzahl im Laden sorgt dafür, dass Mindestabstände und weitere Schutzmaßnahmen eingehalten werden können. Lebensmittel werden in Unverpackt-Läden zu jeder Zeit mit dafür vorgesehenem Besteck umgefüllt und kommen so vor dem Kauf niemals direkt in Kontakt mit Kunden oder Mitarbeitern. Aktuell sind dem BfR keine Übertragungen von Coronaviren über Lebensmittel bekannt. Daher wird die Gefahr einer solchen Übertragung auch als sehr unwahrscheinlich eingeschätzt.

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Beitrag weiterhelfen und dir einen kleinen Einblick hinter die Kulissen eines Unverpackt-Ladens geben konnte. Gerne kannst du für weitere Tipps rund um ein nachhaltiges Leben auf meinem Instagram-Profil vorbei schauen. Wenn du mich und meine Arbeit unterstützen möchtest, kannst du den Blogartikel auch gerne teilen.

x Jasmin

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